Presse

Generalanzeiger, 21. September 2016
Sebastian Kirschner
SINZIG. Mit afrikanischer Weltmusik aus der Feder des Ghanaers Adjiri Odametey hat nach der Sommerpause die neue Saison von „Kultur im Gewölbe“ unter dem Sinziger Zehnthof wieder begonnen. Die gelungene Mischung aus Liedern zur Gitarre, flirrendem Schlagwerk und urwüchsigen Instrumenten lockte so viele Besucher an, dass einige von ihnen dem Konzert im Stehen folgen mussten. Das Publikum ließ keine gebotene Chance aus, von Herzen mitzusingen und zu klatschen. Irgendwann gingen Veranstalterin Monika Recker-Johnson schlicht die Stühle aus: „Ich glaube, so viele Besucher hatten wir noch nie.“ In Scharen waren die Zuhörer gekommen, um an den Lippen von Odametey den Geist Afrikas erspüren zu können. Dieser zeigte sich von der engen Situation im Gewölbe nicht beeindruckt und schuf ein Klangerlebnis von hoher Präsenz, auch wenn er im Rausch der meist tranceartigen Musik immer wieder in den Hintergrund trat. Komplexe Rhythmen machten zwar anfangs das Mitklatschen schwer, dafür wurde man aber mit Lebensweisheiten belohnt, die weniger vom Textverständnis herrührten, als vielmehr durch die Musik als Ganzem. Lieder über Liebende, Kinder oder gleich die ganze Welt verströmten eine Harmonie und Tiefe, der sich niemand entziehen konnte. Neben der Gitarre hatte Odametey auch einen großen Fundus an traditionell afrikanischen Instrumenten dabei. Die afrikanische Harfe, die Kora, besteht aus einem großen Kürbisresonanzraum und quer dazu gespannten Saiten, die vom Klangher einer Laute ähneln. So zerzaust die Kora auch aussah, aus ihr holte der Künstler die lieblichsten Gesänge heraus. Immer gepaart mit seiner erdigen Stimme, die ein wohltuendes Gesamt mit den Instrumenten bildete und sich nie in den Vordergrund spielte.

Vielen Besuchern wird die Instrumentenklasse der Lamellophone bis zu diesem Abend wohl unbekannt gewesen sein. Ein Holzbrett und ein paar hochgebogene Metallstücke: fertig ist die Mbira, ein Daumenklavier, dessen Klang am ehesten dem von Regentropfen gleicht. Im Zusammenhang mit den abwechslungsreichen Rhythmen konnte man, wenn man die Augen schloss, schon die Regenzeit vermuten. Wiegende Köpfe und Füße, Zwischenapplaus nach anspruchsvollen Passagen und das ein oder andere spontane Tänzchen derjenigen, die stehen mussten, machten klar: Das Publikum war vollends vom Ghanaer begeistert. Nach einem rasenden Percussionsstück wurde ihm sogar ein Schweißtuch gereicht. Schließlich mussten auch die Sinziger ran und sich dem Vorurteil stellen, dass Mitteleuropäer im Vergleich zu Afrikanern nicht gerade ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl hätten. Nach Startschwierigkeiten wollten die leichten Abfolgen dann aber doch klappen und das Gewölbe wurde zu einem pulsierenden Klangraum.